Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch? Wirtschaftlichkeit mit Rechenbeispiel
Die Einspeisevergütung ist niedrig und soll für neue Kleinanlagen ab 2027 weiter umgebaut werden. Rechnet sich eine Solaranlage trotzdem? In den meisten Fällen ja – aber nicht mehr über das Einspeisen, sondern über den Strom, den Sie selbst verbrauchen. Ein transparentes Rechenbeispiel.
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Das Wichtigste in Kürze
- Eine Photovoltaikanlage rechnet sich heute vor allem über den Eigenverbrauch: Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom, der ein Vielfaches der Einspeisevergütung kostet.
- Im Rechenbeispiel unten amortisiert sich eine 10-kWp-Anlage auf einem Einfamilienhaus nach rund 12 bis 13 Jahren – bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren.
- Wärmepumpe, E-Auto und Speicher erhöhen den Eigenverbrauch und verbessern die Rechnung.
- Die geplante EEG-Reform für Neuanlagen ab 2027 macht eine Planung auf hohen Eigenverbrauch noch wichtiger.
Woran die Wirtschaftlichkeit hängt
Eine PV-Anlage spart auf zwei Wegen Geld:
- Eigenverbrauch: Strom, den Sie selbst nutzen, müssen Sie nicht beim Versorger kaufen. Der Wert jeder Kilowattstunde entspricht Ihrem Arbeitspreis – bei vielen Haushalten 30 Cent und mehr.
- Einspeisung: Für den Überschuss zahlt der Netzbetreiber die EEG-Vergütung. Für neue Anlagen bis 10 kW sind das bei Inbetriebnahme zwischen 1. August und 31. Dezember 2026 7,70 ct/kWh (Bundesnetzagentur).
Der Unterschied ist enorm: Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ist rund viermal so viel wert wie eine eingespeiste. Wie viel Sie selbst verbrauchen, hängt davon ab, wann Sie Strom brauchen – und ob ein Speicher, eine Wärmepumpe oder ein E-Auto den Mittagsüberschuss aufnimmt.
Rechenbeispiel: 10 kWp auf dem Einfamilienhaus
Die folgenden Annahmen sind bewusst einfach und konservativ gewählt. Setzen Sie für Ihre eigene Rechnung Ihren tatsächlichen Strompreis und ein konkretes Angebot ein.
Annahmen (Stand Oktober 2026):
- Anlage: 10 kWp, Kosten 13.000 € (1.300 €/kWp, 0 % Mehrwertsteuer)
- Ertrag: 950 kWh pro kWp und Jahr, also 9.500 kWh
- Haushaltsverbrauch: 4.500 kWh pro Jahr
- Strompreis: 35 ct/kWh, ohne Annahme künftiger Preissteigerungen
- Einspeisevergütung: 7,70 ct/kWh (Inbetriebnahme bis 31. Dezember 2026)
- Laufende Kosten: 1 % der Investition pro Jahr
- Speicher (Variante B): 8 kWh für 4.800 € zusätzlich
Für den Anteil des Verbrauchs, den die Anlage deckt (Autarkiegrad), verwenden wir typische Werte aus Simulationen wie dem Unabhängigkeitsrechner der HTW Berlin: rund 35 % ohne und rund 65 % mit Speicher.
| A: ohne Speicher | B: mit 8-kWh-Speicher | |
|---|---|---|
| Investition | 13.000 € | 17.800 € |
| Selbst verbrauchter Solarstrom | 1.575 kWh | 2.925 kWh |
| Eingespeister Strom | 7.925 kWh | 6.575 kWh |
| Ersparnis Netzstrom (35 ct) | 551 € | 1.024 € |
| Einspeisevergütung (7,70 ct) | 610 € | 506 € |
| Laufende Kosten (1 %) | −130 € | −178 € |
| Ergebnis pro Jahr | 1.031 € | 1.352 € |
| Amortisation | ca. 12,6 Jahre | ca. 13,2 Jahre |
| Überschuss nach 25 Jahren | ca. 12.800 € | ca. 16.000 € |
Was die Tabelle zeigt:
- Beide Varianten rechnen sich über die Lebensdauer deutlich – auch ohne steigende Strompreise.
- Der Speicher bringt in diesem Beispiel nach 25 Jahren mehr Überschuss, amortisiert sich aber etwas später. Bei einem Speicher sollte man zudem einplanen, dass er innerhalb von 25 Jahren eventuell einmal ersetzt werden muss.
- Steigen die Strompreise, verbessern sich beide Varianten – die mit Speicher stärker, weil sie mehr Netzstrom ersetzt.
Eine Vereinfachung: Die Leistung der Module lässt über die Jahre leicht nach, typischerweise um wenige Zehntelprozent pro Jahr. Das verlängert die Amortisation geringfügig.
Was passiert, wenn die Einspeisevergütung sinkt?
Für neue Anlagen ab 2027 soll die feste Vergütung nach den Reformplänen der Bundesregierung durch eine befristete Übergangszahlung ersetzt werden (Kabinettsentwurf vom 29. Juli 2026, am 12. Oktober 2026 noch nicht beschlossen). Für die Rechnung bedeutet das: Der Posten „Einspeisevergütung“ wird kleiner oder fällt nach einigen Jahren weg.
Im Beispiel macht die Vergütung bei Variante A mehr als die Hälfte des jährlichen Ergebnisses aus, bei Variante B weniger als 40 %. Je höher der Eigenverbrauch, desto unabhängiger ist die Anlage von der Vergütung. Daraus folgen drei praktische Konsequenzen:
- Eigenverbrauch erhöhen: Speicher, Wärmepumpe, E-Auto, Warmwasser per Heizstab oder zeitgesteuerte Geräte.
- Anlagengröße bewusst wählen: Ohne Vergütung lohnt sich nicht automatisch das volle Dach. Wer wenig verbraucht, sollte die Größe am Eigenverbrauch ausrichten.
- Inbetriebnahme planen: Anlagen mit Inbetriebnahme bis Ende 2026 sollen nach den Plänen die aktuelle Vergütung behalten. Ob ein Termin noch realistisch ist, hängt von Montage, Netzbetreiber und Zählersetzung ab.
Wann sich Photovoltaik besonders lohnt
- Hoher Tagesverbrauch: Homeoffice, Gewerbe, Landwirtschaft mit Kühlung oder Lüftung.
- Wärmepumpe oder E-Auto: Beide verschieben große Verbräuche in Zeiten, in denen die Anlage liefert – zumindest teilweise.
- Gute Dachfläche: Süd- oder Ost-West-Ausrichtung ohne nennenswerte Verschattung.
- Dach in gutem Zustand: Muss das Dach ohnehin bald saniert werden, gehört das in die Rechnung. Mehr dazu im Artikel Dach sanieren vor der Photovoltaik.
Wann es sich weniger lohnt
- Stark verschattete Dächer oder sehr kleine Dachflächen
- Sehr niedriger Stromverbrauch ohne Aussicht auf Wärmepumpe oder E-Auto
- Ein Dach, das in wenigen Jahren saniert werden muss, wenn die Sanierung nicht vorab erfolgt
Fazit
Photovoltaik lohnt sich 2026 für die meisten Eigenheimbesitzer weiterhin – sofern die Anlage auf den eigenen Verbrauch ausgelegt ist. Die Einspeisevergütung ist ein willkommener Zusatz, aber nicht mehr der Kern der Rechnung. Wie die Kosten zustande kommen, lesen Sie in Photovoltaik-Kosten 2026; ob ein Speicher für Sie sinnvoll ist, in Lohnt sich ein Batteriespeicher?.
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